Ist Europa auf dem Weg, unseren Planeten zu zerstören?

Ein Bericht, der ein ganzes Agrar- und Lebensmittelsystem bloßstellt
Ernährt Europa wirklich die Welt?
Eine massive Einfuhr von Rohstoffen
Ein übermäßiger Verzehr von tierischem Eiweiß
In wirtschaftlicher Hinsicht eine schöne Sache
Ein erfolgreiches Geschäftsmodell
... aber die Reichsten bevorzugt
Verheerende ökologische Folgen
EU zweitgrößter Importeur von Tropenwaldabholzung
Soja ist der größte Treiber der Entwaldung
Palmöl, ein weiteres Produkt, das von der EU massiv importiert wird
Das Problem der Lebensmittelverschwendung
Verschwendung in landwirtschaftlichen Betrieben
Unser Essverhalten muss sich ändern
Auf dem Weg zu einem nachhaltigen agrarökologischen Übergang?
Ein Wandel in der Gesetzgebung
Die Essgewohnheiten der Europäer ändern sich bereits
Ein schnell wachsender Markt
Europäer essen zunehmend biologisch
Die Covid-Pandemie hat unser Konsumverhalten beeinflusst
Ein Bericht, der ein ganzes Agrar- und Lebensmittelsystem bloßstellt

Der neueste Bericht der internationalen NGO WWF mit dem Titel 'Europa verschlingt die Welt' prangert das europäische Agrar- und Lebensmittelsystem und seine negativen Auswirkungen auf unsere Umwelt an.  Während Europa oft als der Kontinent dargestellt wird, der die Welt ernährt, wird diese von unseren politischen Führern hervorgehobene Idee heute in Frage gestellt. Entschlüsselung.

Ernährt Europa wirklich die Welt?

Wirtschaftlich gesehen ist die Europäische Union der weltweit größte Exporteur von Agrarprodukten und Lebensmitteln. Die Aussage, dass Europa unseren Planeten ernährt, wäre also zum Teil wahr. In seinem jüngsten Bericht vom 20. Mai 2022 weist der WWF jedoch auf die Schwächen des europäischen Modells hin und behauptet, dass 'Europa den Planeten verschlingt, anstatt ihn zu ernähren'.

Eine massive Einfuhr von Rohstoffen

Um dies zu erklären, muss man sich mit den Importen der EU beschäftigen.

Um Produkte tierischen Ursprungs oder andere verarbeitete Produkte zu exportieren, muss die EU zunächst massenhaft Grundstoffe importieren. Beispiele hierfür sind Soja, das in astronomischen Mengen als Viehfutter für die Viehzucht verwendet wird, oder Kakao, der aus Südamerika, Afrika und Asien importiert wird, um in unseren Fabriken Schokolade herzustellen.

Ein übermäßiger Verzehr von tierischem Eiweiß

Der übermäßige Konsum von Fleisch und Milchprodukten in Europa schafft umso mehr Anreize für den Import von landwirtschaftlichen Betriebsmitteln wie Soja oder Düngemitteln. In den Jahren 2020-21 importierte die EU 25 Millionen Tonnen Sojamehl für Tierfutter, "während unsere nationale Produktion weniger als 1 Million Tonnen beträgt", wie die NGO erklärt. Europa verbraucht weit mehr als es produziert.

In wirtschaftlicher Hinsicht eine schöne Sache

Um eine positive Handelsbilanz aufzuweisen, verlässt sich Europa auf ein Modell, "das darin besteht, Rohstoffe von geringem Wert zu importieren und Produkte von hohem Wert zu exportieren, was einen positiven Beitrag zur europäischen Wirtschaft leistet, aber nicht unbedingt zur weltweiten Nahrungsmittelversorgung."

Ein erfolgreiches Geschäftsmodell

Zur Veranschaulichung berichtet der WWF, dass Europa im Jahr 2020 Agrar- und Ernährungsprodukte im Wert von 122 Milliarden Euro importierte (u. a. Obst, Kaffee, Palmöl und Soja) und für 184 Milliarden Euro exportierte. Die EU wies somit einen Handelsüberschuss in der Agrar- und Ernährungswirtschaft von 62 Milliarden Euro auf.

... aber die Reichsten bevorzugt

Europa verkauft seine Produkte vor allem an die reichsten Verbraucher. Laut der WWF-Studie exportiert Europa vor allem nach Großbritannien (23%), in die USA (12%) und nach China (10%). Die Schweiz, Kanada, Saudi-Arabien und Australien gehören zu den zehn wichtigsten Zielen, in die die EU ihre Agrar- und Ernährungsprodukte exportiert. Außerdem hat die Aussage "Europa ernährt die Welt" nicht mehr ganz die gleiche Bedeutung wie auf den ersten Blick.

Verheerende ökologische Folgen

Der massive Import von Rohstoffen in die Europäische Union hat dramatische Folgen für unseren Planeten. Ihre starke Nachfrage hat im Laufe der Jahre zum Verlust von "Millionen Hektar Wald, Savannen und Grasland, insbesondere in tropischen Gebieten, geführt, wodurch wertvolle Ökosysteme zerstört werden und ein wesentlicher Beitrag zum Klimawandel und zum Verlust der Artenvielfalt geleistet wird". Aufgrund des Wirtschaftsmodells, das sie aufgebaut hat, trägt die EU eine große Mitverantwortung für die Klimakrise, die wir derzeit erleben.

EU zweitgrößter Importeur von Tropenwaldabholzung

Nach China ist die Europäische Union der zweitgrößte Importeur, der an der Abholzung des tropischen Regenwaldes beteiligt ist. Laut WWF hat die europäische Nachfrage zwischen 2005 und 2017 zur Zerstörung von 3,5 Millionen Hektar tropischer Wälder geführt, wodurch fast 1,807 Millionen Tonnen CO2 in die Luft freigesetzt wurden und die Biodiversität der Erde stark beeinträchtigt wurde. Eine ökologische Katastrophe.

Soja ist der größte Treiber der Entwaldung

Es wird geschätzt, dass ein Europäer im Durchschnitt 61 kg Soja pro Jahr konsumiert, wobei 90% davon indirekt aus dem Tierkonsum stammen, da Soja als Viehfutter verwendet wird. Zwischen 2005 und 2017 war die Einfuhr von Soja durch die EU für 31% der Abholzung des tropischen Regenwaldes verantwortlich. Insgesamt wurden jedes Jahr etwa 89 000 Hektar Wald zerstört. Soja ist nicht das einzige Produkt, das Europa importiert, das in großem Umfang zur Zerstörung der tropischen Wälder führt.

Palmöl, ein weiteres Produkt, das von der EU massiv importiert wird

Die Nachfrage nach Palmöl für den europäischen Markt hat auch starke Auswirkungen auf die Umwelt und ist für die Zerstörung von 69.000 Hektar Regenwald pro Jahr zwischen 2005 und 2017 verantwortlich.

Das Problem der Lebensmittelverschwendung

Der WWF-Bericht spricht ein weiteres wiederkehrendes Problem in Europa an: die Lebensmittelverschwendung. "Bis zu 40 % der weltweit produzierten Lebensmittel werden nie verzehrt", so die NGO in ihrem Bericht und erklärt, dass in der EU jedes Jahr etwa 88 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet werden, was 173 kg Lebensmittel pro Person entspricht. Eine Verschwendung, die immerhin für 8-10% der Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Während die Verbraucher ihren Teil der Verantwortung tragen, werden auch die landwirtschaftlichen Betriebe an den Pranger gestellt.

Verschwendung in landwirtschaftlichen Betrieben

Diese Lebensmittelverluste sind manchmal auf extreme Wetterbedingungen zurückzuführen, die sich nicht kontrollieren lassen. Aber auch andere Faktoren wie landwirtschaftliche Überproduktion, vertragliche Vereinbarungen, fehlende Ausrüstung oder stornierte Bestellungen sind Gründe für die Verschwendung in landwirtschaftlichen Betrieben.

Unser Essverhalten muss sich ändern

Wie kann dieses System, das unseren Planeten zerstört, überwunden werden? Laut der NGO müssen wir unsere Ernährungsgewohnheiten in großem Umfang ändern. Sie stellt fest: "Derzeit basiert die Ernährung von Tieren aus der Massentierhaltung auf Produkten, die auch Menschen ernähren könnten, wobei der Anbau eines Teils davon zur Zerstörung natürlicher Ökosysteme führt." Die Hälfte der Getreidekulturen, die wir produzieren, wird an die Tiere in der Massentierhaltung verfüttert. Der übermäßige Verzehr von Tieren ist eine echte Plage für unsere Umwelt und darüber hinaus für unsere Gesundheit.

Auf dem Weg zu einem nachhaltigen agrarökologischen Übergang?

Der WWF befürwortet eine "tiefgreifende Transformation des europäischen Lebensmittelsystems" hin zu einem nachhaltigeren Modell. Die NGO befürwortet zum Beispiel einen neu dimensionierten Viehzuchtsektor, der die Menschen auf der ganzen Welt an der Sicherheitsgrenze ernährt und es uns ermöglicht, die Intensivtierhaltung aufzugeben. In diesem neuen Modell würden Getreidekulturen die Menschen mehr ernähren als die Tiere in der Viehzucht.

Ein Wandel in der Gesetzgebung

Für den WWF ist es auch notwendig, die Politik zu ändern, um die Übergänge bei den Ernährungsgewohnheiten zu beschleunigen. Eine Änderung der Gesetzgebung, die bereits im Gange zu sein scheint, wie die NGO feststellt: "Eine Reihe neuer politischer Initiativen mit Bezug zur Ernährung, wie die neue EU-Gesetzgebung zu entwaldungsfreien Produkten, geht bereits in die richtige Richtung".

Die Essgewohnheiten der Europäer ändern sich bereits

Die neuesten Studien belegen, dass die Europäer bereits begonnen haben, ihre Essgewohnheiten zu ändern. Sie essen immer weniger Fleisch und greifen stattdessen vermehrt auf pflanzliche Alternativen zurück.

Ein schnell wachsender Markt

Die europäische Industrie für Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs boomt mit einem Rekordwachstum von 49% zwischen 2018 und 2020. In Deutschland ist der Verkauf von Produkten pflanzlichen Ursprungs (wie z. B. Pflanzensteaks) um 224 % gestiegen!

Europäer essen zunehmend biologisch

Auch der Verbrauch von Bioprodukten ist in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen, und die ökologische Landwirtschaft umfasst heute 14,6 Millionen Hektar Land in der EU und im Vereinigten Königreich. Die Europäer machen sich nun mehr Gedanken darüber, was auf ihren Tellern landet, aber auch über das Wohlergehen der Tiere und die ökologischen Auswirkungen der intensiven Landwirtschaft. Eine gewisse Gesundheitskrise hat umso mehr zu diesem erwachenden Bewusstsein beigetragen.

Die Covid-Pandemie hat unser Konsumverhalten beeinflusst

Seit dem Beginn der Covid-19-Gesundheitskrise haben die Europäer den Wunsch, sich gesünder zu ernähren. Mit dem Einschluss im März 2020 haben viele angefangen, mehr zu kochen, und achten mehr auf die Herkunft ihrer Produkte, indem sie so viel wie möglich von lokalen Erzeugern beziehen.

 

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