Warum geht den Tankstellen im Vereinigten Königreich der Kraftstoff aus?

Benzinmangel
Knappheiten in manchen Supermärkten
Schuld ist der Brexit
20.000 LKW-Fahrer weniger
Sonstige fehlende Produkte
Befürchtung, dass das Gesundheitspersonal nicht arbeiten kann
 Boris Johnson in Schwierigkeiten
UK First
Zurück zu den 1970er Jahren
Wieder Knappheiten
Früh aufstehen zum Tanken
Benzin für notwendige Arbeitskräfte
Die Weigerung der Regeln des freien Marktes hat bedauerliche Folgen
Brexit: ein nationales Trauma
Keep Calm and Carry On
(Vorübergehender) Rückzug vom Brexit
Benzinmangel

Großbritannien erlebt schwierige Tage. Wegen des Benzinmangels gibt es Chaos und Warteschlangen an den Tankstellen. September war ein schwieriger Monat für die Regierung. Es haben sogar Menschen um das Tanken gekämpft. Handelt es sich um einen weiteren Panikkauf, wie beim Toilettenpapier zu Beginn der Pandemie, oder ist die Lage ernster? Eigentlich fehlt es nicht nur an Benzin im Vereinigten Königreich.

Knappheiten in manchen Supermärkten

Auch aus Großbritannien kamen Bilder von Supermärkten, in denen viele Produkte auffallend wenig verfügbar sind. Was ist los?

Schuld ist der Brexit

Die Antwort ist einfach: Der Brexit sorgt für ernsthafte Versorgungsprobleme in Großbritannien. Der Austritt aus der Europäischen Union sollte unter anderem dazu führen, dass die britischen Arbeitnehmer gegenüber ausländischen Arbeitnehmern bevorzugt werden. Tatsächlich braucht die britische Wirtschaft trotz allem ausländische Arbeitskräfte. In diesem Fall ist das Fehlen Tausender nicht-britischer LKW-Fahrer auffällig, die aus dem Vereinigten Königreich ausgewiesen wurden.

20.000 LKW-Fahrer weniger

Schätzungsweise 20.000 nicht-britische LKW-Fahrer, die vor dem Brexit im Vereinigten Königreich gearbeitet haben, mussten das Land wegen der Verschärfung der Rechtsvorschriften zur Erlangung einer Arbeitserlaubnis in Großbritannien verlassen. Angesichts der bürokratischen Hemmnisse haben viele beschlossen, problemlos in anderen Ländern der Europäischen Union weiterzuarbeiten. Keiner fährt also die Lastwagen mehr, die die Tankstellen mit Kraftstoff versorgen, und die Tankstellen sind dem Zusammenbruch nahe, wie auf dem Bild zu sehen ist.

Sonstige fehlende Produkte

Die Einstellung des Vertriebs hat natürlich auch Auswirkungen auf andere Produkte. Am auffälligsten sind die Bilder leerer Regale in einigen Supermärkten, aber es gab auch ernstere Fälle: Das Fehlen von Glasröhrchen zur Entnahme von Blutproben hat in einigen Krankenhäusern zur Aussetzung von Tests geführt.

Befürchtung, dass das Gesundheitspersonal nicht arbeiten kann

Da der Benzinmangel eine Panikwelle auslöst, haben sich einige Unternehmen bereits für eine Rückkehr zur allgemeinen Telearbeit wie auf dem Höhepunkt der Pandemie entschieden. Die Regierung bittet die Bevölkerung dringend, Ruhe zu bewahren und kein Benzin zu horten, da dies dazu führen könnte, dass notwendige Arbeitskräfte (insbesondere im Gesundheitswesen) nicht zur Arbeit kommen können.

Boris Johnson in Schwierigkeiten

Boris Johnson muss sich der Krise stellen. Der britische Premierminister hat sogar angedeutet, dass er die Armee mobilisieren könnte, wenn die Situation nicht wieder kontrollierbar ist. Über die Lösung dieses einmaligen Versorgungsengpasses hinaus muss aber akzeptiert werden, dass bestimmte Aspekte des Brexit in einer globalisierten Welt sinnlos sind.

UK First

So wie Trump „America First!“ rief, ging es beim Brexit um die Behauptung, dass „Britishness“ vor allem anderen kommt. Aber diese Benzinkrise zeigt, dass kein Land auf sich allein gestellt sein kann, zumindest nicht ohne angemessene Vorbereitung und Infrastruktur. Letztendlich ist die Weltwirtschaft eng miteinander verbunden.

Zurück zu den 1970er Jahren

Einige erinnerten sich durch diese Mangelsituation an die fernen 1970er Jahre, als plötzliche Streiks Großbritannien an den Rand des Chaos brachten und die Supermärkte ähnlich aussahen wie heute.

Wieder Knappheiten

Noch einmal steht Großbritannien vor einer Situation der Produktknappheit. Genau wie in Zeiten des sogenannten „Winters der Unzufriedenheit“, der das Vorspiel zum Erdrutschsieg Margaret Thatchers im Jahre 1979 war.

Früh aufstehen zum Tanken

Auslandskorrespondenten im Vereinigten Königreich berichten von Menschen, die in den frühen Morgenstunden ihre Häuser verlassen, um auf die Öffnung der Tankstelle zu warten und mit Benzin versorgt zu werden. Ein stundenlanges Warten, ohne überhaupt zu wissen, ob es Benzin geben wird.

Benzin für notwendige Arbeitskräfte

Es wurde vorgeschlagen, dass einige Arbeitnehmer (deren Arbeitsweg unerlässlich ist) Vorrang beim Tanken erhalten sollten. Doch Boris Johnson sprach sich dagegen aus. Es würde eine Dokumentation erfordern, die einer Art „Rationierungskarte“ ähnlich wäre und unerwünscht an Kriegszeiten erinnern würde.

Die Weigerung der Regeln des freien Marktes hat bedauerliche Folgen

Kapitalismus ist mit Beschränkungen der Freizügigkeit der Arbeitnehmer nicht vereinbar. Das Vereinigte Königreich erlebt es gerade.

Brexit: ein nationales Trauma

Der Brexit wurde zur Freude von etwa der Hälfte der britischen Bevölkerung vollzogen. Doch die andere Hälfte ahnte bereits, dass schwierige Zeiten dem Land bevorstehen würden. Nun vertiefen die Folgen des Austritts aus der Europäischen Union diese Spaltung der Gesellschaft mehr denn je, und selbst einige Brexit-Befürworter fragen sich nun, ob diese Wahl die richtige war.

Keep Calm and Carry On

Keep calm and carry on („Ruhe bewahren und weitermachen“): so lautete der populäre Propagandaslogan während des Zweiten Weltkriegs in Großbritannien. Das ist auch die Haltung, die den Briten empfohlen wird und auf die sich Boris Johnson verlässt: Durchhalten, bis der Sturm vorbei ist.

(Vorübergehender) Rückzug vom Brexit

Vorerst erwägt die britische Regierung, die Brexit-Regeln vorübergehend auszusetzen und Tausenden von ausländischen Lastwagenfahrern durch die Einführung eines befristeten Visums zu erlauben, im Vereinigten Königreich zu arbeiten. Aber wird das Versprechen einer dreimonatigen Arbeit Lastwagenfahrer verlocken, die anderswo in Europa einen Arbeitsplatz mit besseren Bedingungen bekommen können? Eines ist sicher: Es sieht so aus, als würde es ein langer Winter für Boris Johnson und Großbritannien werden.

Más para ti