Katar: die umstrittene FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2022

Die Gastgeber der WM 2022
Gewinner des Auswahlverfahrens
Katar bekam die Mehrheit der Stimmen
Ein Rätsel, warum es ausgewählt wurde
Oder doch nicht so mysteriös?
USA untersuchen Korruption
Jack Warner, unter Beschuss
Der erste von 16 angeklagten FIFA-Wählern
Sowohl Russland 2018 als auch Katar 2022
Verweigerung
Organisatorische Fragen
Der Weihnachtspokal
Eine Pause in der regulären Saison
32 Teams in eine kleine Nation gequetscht
Menschenrechtsbedenken
Vorwürfe wegen Zwangsarbeit
Dänemarks Kritik an der Katar-Organisation
Deutschland und Norwegen beteiligen sich am Protest
US-Fans: Mehrheit befürwortet Boykott
Und das englische Team?
Eine diplomatische Krise
Vorwürfe der Unterstützung terroristischer Gruppen
Wie wird es für die Fans sein?
Das Erlebnis für die Fans
Alles für ein Bier beim Spiel?
Eine „feuchte Fanzone“
Respekt vor der Kultur von Katar
Jeder ist willkommen: auch Schwule?
Verhaltensregeln?
Schwimmende Hotels
Das Gesamterlebnis muss noch bekannt gegeben werden
Die Gastgeber der WM 2022

Kritiker auf der ganzen Welt waren schockiert, als Katar das Recht gewann, die Fußballweltmeisterschaft 2022 auszurichten. Wie konnte einer Nation ohne Fußballgeschichte eine so prestigeträchtige Aufgabe übertragen werden? Werfen wir einen Blick auf die Geschichte und die Kontroversen hinter der Organisation der WM 2022.

Gewinner des Auswahlverfahrens

Im Dezember 2010 erlebte die Welt (mit Verwirrung und Bestürzung der Mehrheit der Fußballfans auf der ganzen Welt), dass Katar das Recht zuerkannt wurde, die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2022 auszurichten.

Katar bekam die Mehrheit der Stimmen

Mehrere andere Länder hatten sich  beworben, darunter Australien, Japan, Südkorea und die Vereinigten Staaten. Katar ging schließlich als Sieger aus dem Auswahlverfahren hervor und erhielt die absolute Mehrheit der Stimmen des 22-köpfigen Exekutivkomitees.

Ein Rätsel, warum es ausgewählt wurde

Katar, ein kleiner Golfstaat in der Wüste, hat kaum Fußballgeschichte. Es hat sich nie für eine WM qualifiziert. Für die meisten Experten und Fans war es ein Rätsel, warum und wie dieses Land überhaupt als Gastgeber des Turniers in Frage kommen konnte, geschweige denn ausgewählt wurde.

Oder doch nicht so mysteriös?

Anderen erschien die Wahl nicht so mysteriös. Viele Kritiker wiesen auf die grosse Zahl von reichen Öl-Konzernmanagern und Finanziers hinter dem Angebot von Katar hin und meinten, die Stimmen seien gekauft worden. Wie die Daily Mail 2019 berichtete, "war die darauf folgende Korruptionsermittlung umfangreich und weitreichend und warf einen enormen Schatten auf den Fußball."

USA untersuchen Korruption

Die Korruptionsvorwürfe innerhalb der FIFA-Organisation begannen Anfang 2011. Die USA, der stärkste Konkurrent von Katar für 2022, haben eigene Ermittlungen über das  Bewerbungsverfahren und die Vergabe  der WM eingeleitet.

Jack Warner, unter Beschuss

Im März 2014 berichtete der Daily Telegraph, dass ein Unternehmen, das mit Katars erfolgreicher Bewerbungskampagne in Verbindung steht, dem Ausschussmitglied Jack Warner und seiner Familie 1,2 Millionen Dollar gezahlt haben soll. Der Daily Telegraph berichtete weiter, dass das FBI gegen Warner in dieser Beziehung ermittelt.

Der erste von 16 angeklagten FIFA-Wählern

Bis 2019 waren 16 der 22 FIFA-Führungskräfte, die für die Bewerbung von Katar gestimmt hatten, "entweder gesperrt, wegen krimineller Korruption angeklagt, in FBI-Fälle verwickelt oder wegen ethischer Verstöße angeklagt, aber nicht verurteilt“, berichtete The Daily Mail.

Sowohl Russland 2018 als auch Katar 2022

Im Jahr 2021 zitierte die New York Times das US-Justizministerium in seiner Behauptung, dass Vertreter sowohl von Russland als auch von Katar FIFA-Funktionäre bestochen hätten, um die Bewerbungen für die Austragung der WM 2018 bzw. 2022 zu gewinnen. Diese Vorwürfe werden derzeit von der FIFA untersucht.

Verweigerung

Im weiteren Verlauf der Ermittlungen berichtet Reuters, dass die Organisatoren der WM 2022 in Katar die Vorwürfe des US-Justizministeriums, das Bestechungsgelder gezahlt worden waren, um sich die Stimmen für die Ausrichtung des Turniers 2022 zu sichern, entschieden zurückgewiesen haben.

Organisatorische Fragen

Neben der Frage, wie Katar die Bewerbung gewonnen hat, stellt sich die Frage, wie das Turnier organisiert werden soll. Es wird die erste Weltmeisterschaft sein, die jemals in der arabischen Welt ausgetragen wurde, und Katar hat extreme Wetterbedingungen.

Der Weihnachtspokal

Aufgrund der intensiven Sommerhitze in Katar findet die WM von Ende November bis Mitte Dezember statt und ist damit das erste Turnier, das nicht in den Monaten Mai, Juni oder Juli ausgetragen wird. Außerdem soll es in einem verkürzten Zeitrahmen von rund 28 Tagen gespielt werden – eine weitere Premiere.

Eine Pause in der regulären Saison

Der Zeitpunkt der WM wird den europäischen Fußball terminlich stark beeinflussen, da die Mannschaften zur Saisonmitte eine 4-6-wöchige Pause einlegen müssen, um am Turnier teilzunehmen. ESPN zitiert eine Reihe von hochkarätigen Clubs, die sagen, dass die Terminplanung "nicht hilfreich und eine Unannehmlichkeit ist, aber auch, dass es keine andere Wahl gibt als sie zu akzeptieren".

32 Teams in eine kleine Nation gequetscht

Katar ist das kleinste Territorium, dem jemals eine FIFA Fussball-Weltmeisterschaft zuerkannt wurde – das nächst kleinere Land ist die Schweiz, die 1954 die Weltmeisterschaft ausrichtete. Die Schweiz ist zwar ein kleines Land, aber immer noch mehr als dreimal so groß wie Katar. Zudem beherbergte die Schweiz zur "ïhrer WM" nur 16 statt der jetzigen 32 Mannschaften.

Menschenrechtsbedenken

Katar sieht sich ernsthafter Kritik am Umgang mit ausländischen Arbeitnehmern ausgesetzt, die an der Vorbereitung auf die WM 2022 beteiligt sind. Auch wenn 2014 Standards für die Arbeiterwohlfahrt erarbeitet wurden, besteht bei NGOs nach wie vor der starke Verdacht auf Menschenrechtsverletzungen.

Vorwürfe wegen Zwangsarbeit

Amnesty International hat gründliche Untersuchungen durchgeführt und festgestellt, dass Gewerkschaften und Vereinigungen von Arbeitern verboten sind. Sie erwähnen auch "Zwangsarbeit" und sagen, dass Hunderte oder möglicherweise sogar Tausende von Wanderarbeitern an den unmenschlichen Arbeitsbedingungen und der Vernachlässigung von Seiten des Staates gestorben sind.

Dänemarks Kritik an der Katar-Organisation

Dänemark hat auf die Fifa, wegen ihrer Besorgnis über die Menschenrechtsverletzungen in Katar, im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 "zusätzlichen Druck" ausgeübt. Dänemarks Sponsoren von Trainingstrikots werden ihre Logos zurückziehen, um Platz für kritische Botschaften gegenüber Katar zu schaffen. Darüber hinaus werden Handelspartner nicht in die arabische Nation reisen.

Deutschland und Norwegen beteiligen sich am Protest

Deutschland trug vor dem Anpfiff im ersten Gruppen-Qualifikationsspiel gegen Island  Trikots mit der Aufschrift "MENSCHENRECHTE". Norwegen gab vor dem Spiel in Gibraltar eine ähnliche Erklärung ab, indem die Spieler T-Shirts mit der Aufschrift "Menschenrechte, auf und neben dem Platz" trugen.

US-Fans: Mehrheit befürwortet Boykott

Eine von Forbes zitierte Umfrage unter US-Fußballfans ergab, dass 60 % von ihnen der Meinung sind, dass ihre Nationalmannschaft die WM 2022 in Katar boykottieren sollte. Darüber hinaus ergab die Umfrage, dass 60 % der amerikanischen Fans sagten, die WM sollte aus Katar entfernt und in einem anderen Land ausgetragen werden.

Und das englische Team?

Englands Spieler, Mitarbeiter und auch Fans wurden von Amnesty International aufgefordert, während des Turniers auf Menschenrechtsbedenken hinzuweisen. Ob sie das tatsächlich tun, bleibt abzuwarten.

Eine diplomatische Krise

Die Gastgeberrolle von Katar bei der WM 22 ist aufgrund der diplomatischen Krise des Landes mit seinen Nachbarn verstärkt auf den Prüfstand geraten. Diese behaupten, Katar unterstütze Extremisten. Vier arabische Nationen, nämlich Ägypten, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain, boykottieren Katar seit Mai vergangenen Jahres und beschuldigen es, islamistische Hardliner-Gruppen und auch den Terrorismus zu unterstützen, wie Reuters berichtet.

Vorwürfe der Unterstützung terroristischer Gruppen

Der Staatsminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Anwar Gargash, schrieb auf Twitter: "Die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft 2022 sollte nicht durch die Unterstützung extremistischer Einzelpersonen und (Organisationen)/Terroristen befleckt werden, eine Überprüfung der Politik von Katar ist ein Muss.“ Die Spannungen zwischen den Ländern und der Vorwurf des Extremismus in Katar sind ein weiteres Problem für die FIFA.

Wie wird es für die Fans sein?

Wir haben gesehen, wie das Turnier bei Fußballmannschaften, Menschenrechtsorganisationen, Diplomaten und dem US-Justizministerium Fragen aufgeworfen hat. Aber wie wird es für die Fans sein, die sich entscheiden, nach Katar zu reisen und an der WM 2022 teilzunehmen?

Das Erlebnis für die Fans

Es gibt viele Faktoren, die berücksichtigt werden müssen. Natürlich ist die Schwierigkeit beim Kauf von alkoholischen Getränken eines der am meisten diskutierten Themen.

Alles für ein Bier beim Spiel?

Ob die Fans im Stadion Alkohol kaufen können, ist noch nicht entschieden, obwohl dies nicht sehr wahrscheinlich ist. In Katar ist der Verkauf von Alkohol auf wenige Luxushotels beschränkt und mit etwa 10 bis 15 Pfund für ein Bier oder ein Glas Wein extrem teuer.

Eine „feuchte Fanzone“

Es gab jedoch Pläne, den Kauf Alkohol auf der Veranstaltung einfacher und erschwinglicher zu machen. Während der Klub-Weltmeisterschaft 2019 experimentierten Kataris mit etwas, das sie eine "nasse Fanzone" nannten, in der Bier, Wein und Apfelwein für etwa 5 Pfund angeboten wurden – ein ähnlicher Plan wird sehr wahrscheinlich für die Weltmeisterschaft 2022 in Kraft treten.

Respekt vor der Kultur von Katar

Nach katarischem Recht ist es ein schweres Vergehen, in der Öffentlichkeit betrunken zu sein. Die Organisatoren hoffen, dass die Fans verstehen, dass sie sich in einem konservativen Land befinden, und ihr Verhalten mäßigen. "Dies ist letztlich ein konservatives, aber gastfreundliches Land", sagt ein Insider dem Guardian. "Es muss also auf beiden Seiten ein Verständnis dafür herrschen, dass die Leute kommen und sich amüsieren und gleichzeitig die Kultur respektieren."

Jeder ist willkommen: auch Schwule?

Beziehungen zwischen Männern sind in Katar illegal. Ein Gesetz aus dem Jahr 2004 bestraft sie mit Freiheitsstrafen zwischen einem und drei Jahren. Die Organisatoren in Katar haben jedoch wiederholt darauf hingewiesen, dass jeder willkommen ist, unabhängig von Nationalität, Geschlecht und Orientierung.

Verhaltensregeln?

Aber sie haben auch betont, dass das Land eine konservative Kultur hat und die Fans gebeten werden, die lokalen Regeln zu respektieren. Eine davon ist, sich öffentlicher Zuneigungsbekundungen zu enthalten. Die Fans werden selber interpretieren müssen, was das genau bedeutet.

Schwimmende Hotels

Für die Fans wird es sicherlich ein einmaliges Erlebnis. Nicht nur wegen der kulturellen Unterschiede, sondern auch wegen der Veränderung in Sachen "traditionelle“ Unterbringung bei einer WM. Früher galt eine Drei-Sterne-Frühstückspension oder ein Stellplatz auf einem Campingplatz als ausreichend. Nun soll den Fans, die zur WM in Katar reisen, ein anderes und einzigartiges Erlebnis geboten werden. Die Organisatoren hat bestätigt, dass sie im Jahr 2022 zwei Kreuzfahrtschiffe als schwimmende Hotels gemietet haben.

Das Gesamterlebnis muss noch bekannt gegeben werden

Um die WM 2022 gibt es viele Kontroversen. Wie wird die arabische Nation reagieren, während die Teams immer offener werden? Was erwartet uns 2022 bei einem der großen Fußballereignisse? Wenn die Ermittlungen enthüllen, das etwas Ungereimtes im Schatten lauert, könnte dies sowohl für die Nation als auch für die FIFA verheerende Folgen haben.

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