Es wird ernst: Russland halbiert seine Gaslieferung!

Der Nervenkrieg um das russische Gas geht weiter
Hohe Gaspreise: ein Problem für Uniper
Entwarnung, aber nicht von langer Dauer
Abhängig von Putins Entscheidungen
Und wenn Putin den Gashahn komplett zu dreht?
Gaskrise
Appell an alle Verbraucher
Energie als Waffe
Auf der Suche nach Alternativen
Wieder mehr Kohle?
Der Notfallplan
Was würde bei der Notfallstufe passieren?
Wer bekäme als erstes kein Gas mehr?
Schwimmbäder hätten schlechte Chancen
Aber zu welchen Preisen?
Unbedingt das Schlimmste verhindern
Der Nervenkrieg um das russische Gas geht weiter

Ab Mittwoch, den 27. Juli liefert der russische Staatskonzern Gazprom (im Bild das Logo) nur noch 33 Millionen Kubikmeter Gas durch Nord Stream 1 nach Deutschland.  Das entspricht 20% der Kapazität der Pipeline. Der angegebene Grund ist eine Turbine, die laut Gazprom repariert werden muss.

"Perfides Spiel" von Putin

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (im Bild rechts zusammen mit Bundeskanzler Olaf Scholz) hat dem russischen Präsidenten Wladimir Putin  ein "perfides Spiel" vorgeworfen. Mit dieser erneuten Drosselung wachsen die Sorgen um Versorgungsengpässe. Und die Preise für Gas steigen ungebremst, mit ernsten Konsequenzen. Hier ein Überblick der Gaskrise in Deutschland.

Hohe Gaspreise: ein Problem für Uniper

Die Gaskrise bereits dazu geführt, das die Bundesregierung das Energieunternehmen Uniper unterstützen muss. "Der größte Gashändler Deutschlands ist in große Schwierigkeiten geraten, weil in Russland bestelltes Gas nicht geliefert wird. Das Unternehmen müsse sich das Gas daher zu viel höheren Preisen auf dem Weltmarkt beschaffen. Dadurch entsteht eine schwierige Lage für das Unternehmen“, so erklärte Bundeskanzler Scholz die Entscheidung.

 

Entwarnung, aber nicht von langer Dauer

Nach den Wartungsarbeiten an Nord Stream 1 (im Bild) Mitte Juli kam aus Russland anfangs wieder in etwa so viel Gas wie vor der Wartung, also rund 40% der Menge, die ursprünglich nach Deutschland geliefert wurde. Aber die Unsicherheit über Putins Pläne blieb.

Abhängig von Putins Entscheidungen

Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller twitterte "Die politische Unsicherheit und die 60-prozentige Kürzung von Mitte Juni" bleiben aber "leider bestehen". Und er hat Recht behalten. Mit jetzt nur noch 20% wächst die Sorge um Engpässe.

Und wenn Putin den Gashahn komplett zu dreht?

Wenn der 'worst case' eintreffen sollte, müssten die Gasreserven angezapft werden. Keine guten Aussichten. "Deutschland peilt bis 1. August 65 Prozent Füllstand an, EU-weit sollen unterirdische Gasspeicher bis 1. November zu mindestens 80 Prozent gefüllt sein. Eigentlich. Doch nun könnte es passieren, dass Europa schon bald an seine Reserven muss", so warnt der Icis-Energieanalyst Andreas Schröder gegenüber dem Handelsblatt.

Gaskrise

Bereits Ende Juni hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck  (Bündnis 90/Die Grünen) die 2. Eskalationsstufe im Notfallplan ausgerufen. Auf einer Pressekonferenz erklärte er diese Entscheidung: "Es liegt eine Störung der Gasversorgung vor, daher ist dieser Schritt erforderlich. Wir sind in einer Gaskrise. Gas ist von nun an ein knappes Gut. Die Preise sind jetzt schon hoch, und wir müssen uns auf weitere Anstiege gefasst machen."

Appell an alle Verbraucher

Habeck apellierte an Industrie, öffentliche Einrichtungen und private Verbraucher den Gaskonsum nach Möglichkeit zu reduzieren um auf den Winter vorbereitet zu sein. "Wir müssen also jetzt die Vorsorge treffen, um im Winter vorbereitet zu sein", sagte er auf der Pressekonferenz in Berlin.

Energie als Waffe

"Die Drosselung der Gaslieferungen ist ein ökonomischer Angriff auf uns", sagte Habeck. Die Strategie von Russlands Präsident Wladimir Putin sei es, Unsicherheit zu schüren, die Preise hoch zu treiben und zu spalten. Schon Wochen vor der Wartung lieferte Russland 40% weniger Gas durch die Pipeline Nord Stream 1. Der angebliche Grund: technische Probleme.

Auf der Suche nach Alternativen

In Sachen Gasversorgung sind in Deutschland Fehler gemacht worden. "Es sind die Versäumnisse der letzten Dekade, die uns jetzt in diese Bedrängnisse geführt haben", sagte Habeck. Seit dem Ukrainekrieg sucht die Bundesregierung mit Vizekanzler und  Wirtschaftsminister Habeck an der Spitze auf der ganzen Welt nach alternativen Anbietern und Formen von Energie.

Im Bild: Robert Habeck bei Gesprächen in Jordanien.

Wieder mehr Kohle?

Die Tagesschau berichtet, dass die Ausrufung der Alarmstufe aber auch Voraussetzung für die Umsetzung der Pläne der Bundesregierung ist, verstärkt Kohlekraftwerke ans Netz zu holen, um den Gasverbrauch im Stromsektor zu reduzieren. Dies ist festgehalten im Ersatzkraftwerke-Bereithaltungsgesetz, das am 8. Juli den Bundesrat passieren soll.

Der Notfallplan

Der sogenannte 'Notfallplan Gas' regelt die Gasversorgung in Deutschland bei Krisensituationen. Er hat drei Eskalationsstufen: die Frühwarnstufe (Ende März von Habeck ausgerufen, die Alarmstufe (aktuell) und die Notfallstufe.

Was würde bei der Notfallstufe passieren?

Die Notfallstufe trifft ein wenn eine "außergewöhnlich hohe Nachfrage nach Gas, eine erhebliche Störung der Gasversorgung oder eine andere erhebliche Verschlechterung der Versorgungslage" vorliegt. In diesem Fall würde der Staat in die Verteilung der Gasressourcen eingreifen.

Im Bild: Gasspeicher von Uniper.

Wer bekäme als erstes kein Gas mehr?

Zuerst wäre die Industrie betroffen. Laut t-online benötigt sie mehr als ein Drittel des gesamten Gasverbrauchs in Deutschland. Besonders hoch ist der Verbrauch in der chemischen Industrie. Aktuell führt die Bundesnetzagentur bereits Gespräche "zur Krisenvorbereitung mit der Industrie und der Energiewirtschaft", berichtet t-online.

Im Bild: die BASF Werke in Ludwigshafen

"Geschützte" Kunden

Laut der Bundesnetzagentur zählen private Haushalte, Feuerwehr, Polizei, Krankenhäuser, Schulen, Kitas, Gefängnisse oder die Bundeswehr zu den sogenannten "geschützten" Kunden und würden auch bei einem akuten Gasmangel vorrangig versorgt werden.

Schwimmbäder hätten schlechte Chancen

"Die Wohnung bleibt warm, das Schwimmbad bleibt zu"-  so bringt es  Klaus Müller, der Präsident der Bundesnetzagentur, auf den Punkt. Auch Gewerbebetriebe mit einem Verbrauch von bis zu 1,5 Millionen Kilowattstunden Gas im Jahr müssten sich keine Sorgen machen, sagte Müller der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dazu gehören zum Beispiel Bäckereien und Supermärkte.

Aber zu welchen Preisen?

Im Mai wurde eine Klausel zur  Preisanpassung in das Energiesicherungsgesetz eingefügt. Danach ist es Versorgern erlaubt, bei verminderten Gasimporten hohe Einkaufspreise an ihre Kunden weiterzureichen. "Alle hiervon betroffenen Energieversorgungsunternehmen entlang der Lieferkette (haben) das Recht, ihre Gaspreise gegenüber ihren Kunden auf ein angemessenes Niveau anzupassen", heißt es in Paragraf 24.

Unbedingt das Schlimmste verhindern

Sowohl Wirtschaftsvertreter als auch Greenpeace haben die Entscheidung von Minister Habeck begrüßt. "Damit ein russischer Gaslieferstopp im kommenden Winter nicht zu einer Versorgungskrise führt, ist konsequentes Energiesparen jetzt das Gebot der Stunde", sagte Greenpeace-Energieexperte Gerald Neubauer. Einigkeit scheint ein guter Ausgangspunkt zur Lösung des Problems zu sein, aber welche Konsequenzen die Gaskrise noch haben wird, bliebt ein großes Fragezeichen.

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