Ein Algorithmus für den perfekten Namen

Wie nennen wir unseren Sohn?
Über 90.000 Namen zur Auswahl
Der Algorithmus Bantling
1. Dass der Name nicht verwechselt werden kann (sorry, Kate)
2. Leicht auszusprechen (nicht der Fall bei Saoirse Ronan)
3. Zeitlos soll er sein, und nicht zu trendy (Ethan erfüllt beide Bedingungen)
4. Zu ausgefallen ist auch nicht gut
5. Er soll aber auch nicht zu häufig vorkommen
6. Nicht zu offensichtlich religiös
7. Je kürzer desto besser
8. Einfach zu buchstabieren
9. Namen, die nicht abgekürzt werden können
10. Dass der Name nicht verlängert werden kann
11. Namen, die auf Chinesisch gut klingen
12. Eindeutig im Bezug auf das Geschlecht
Wir haben einen Sieger!
Aber ... ist der Name des Babys mathematisch?
Wie nennen wir unseren Sohn?

Nick Winter ist Blogger, Webentwickler und Vater. Er lebt an der Westküste der Vereinigten Staaten. Als er und seine Partnerin Chloe Fan 2015 ihr erstes Kind bekamen, stellten sie sich die große Frage, die sich alle Paare stellen, wenn ein Baby unterwegs ist: welchen Namen wählen wir für unseren Nachwuchs? Das hier ist die Geschichte, wie Nick und Chloe mit Hilfe eines Algorithmus "den perfekten Namen" auswählten.

Bild: CHUTTERSNAP / Unsplash

Über 90.000 Namen zur Auswahl

Nick erzählte es in seinem Blog so: "Ich habe die gesamte Datenbank mit allen Namen, die in der amerikanischen Sozialversicherung gespeichert sind, heruntergeladen. Es waren insgesamt 93.600 Namen, die seit 1880 mindestens fünfmal im Jahr verwendet wurden, von John und Mary bis Aaqil und Zyree."

Der Algorithmus Bantling

Mit diesen Daten entwickelte Nick den sogenannten 'Bantling', einen Algorithmus, der ihm dabei half, unter Verwendung von 12 leicht zu befolgenden Regeln, aus Tausenden von möglichen Namen "den Perfekten" auszuwählen. Die Kriterien des Algorithmus sind interessant...

1. Dass der Name nicht verwechselt werden kann (sorry, Kate)

Namen, die anderen zu ähnlich klingen, wurden vom System bestraft, weil es den Leuten möglicherweise schwer fällt, sie von anderen zu unterscheiden. Der Algorithmus würde also zum Beispiel Katie (wie Schauspielerin Katie Holmes) aussortieren, da der Name leicht mit Catie, Cathy, Kathy usw. verwechselt werden könnte.

2. Leicht auszusprechen (nicht der Fall bei Saoirse Ronan)

Namen, die auf zwei verschiedene Arten ausgesprochen werden können oder die ein R haben, wurden ebenfalls vom Algorithmus, den Nick und Chloe verwendeten, verworfen. Saoirse Ronan ist ein gutes Beispiel. Der „Ladybird“-Star sprach 2016 in der Ellen DeGeneres Show über die schwierige Aussprache ihres Namens, über die Verwirrung, die er oft stiftet, was sich alles im Englischen darauf reimt und andere nervige Dinge.

3. Zeitlos soll er sein, und nicht zu trendy (Ethan erfüllt beide Bedingungen)

Auch sehr altmodische oder zu sehr im Trend liegende Namen wurden vom Algorithmus bestraft. Das kann natürlich subjektiv sein. Ethan ist ein gutes Beispiel für einen alten Namen, der in den letzten zwei Jahrzehnten plötzlich populär wurde. Laut US-Volkszählung wurden 97% der amerikanischen „Ethans“ nach 1989 geboren. Der Schauspieler Ethan Hawke ist wohl eine Ausnahme, die der Zeit voraus war.

4. Zu ausgefallen ist auch nicht gut

Besonders seltsamste Namen wurden vom Algorithmus ebenfalls bestraft. Der Vorname Kanye ist dank des Musikers und Ex-Ehemann von Kim Kardashians, Kanye West, bekannt geworden. Er würde jedoch sicherlich die Aufmerksamkeit anderer Eltern im Kindergarten auf sich ziehen.

5. Er soll aber auch nicht zu häufig vorkommen

Es ist jedoch auch keine gute Idee, einen zu häufigen Namen zu wählen. Davon kann der britische Komiker David Mitchell (im Bild rechts in einer Folge seiner Komödie "Peep Show") ein Lied singen. Er  hat in Interviews oft darüber  gescherzt, dass er seinen Vor- und Nachnamen mit einem Politiker der Konservativen Partei teilt.

6. Nicht zu offensichtlich religiös

Auch Namen, die zu religiös oder speziell zu biblisch sind, wurden von dem Paar aus Seattle ausgeklammert. Oprah Winfrey wurde ursprünglich Orfa  genannt, nach einer Frau, die im Buch Ruth erwähnt wird. Die Aussprache fiel aber vielen schwer, und "Oprah" hat sich gegenüber dem eigentlichen Namen durchgesetzt.

7. Je kürzer desto besser

Eine der Regeln von Nick Winter ist, dass Namen nicht zu viele Buchstaben oder Silben haben dürfen. Ein klares Beispiel für die Vorteile eines kurzen Namens im Vergleich zu einem langen: Lady Gaga ist viel eingängiger und viel einfacher zu schreiben als Stefani Joanne Angelina Germanotta (ihr richtiger Name).

8. Einfach zu buchstabieren

Der Algorithmus bestrafte auch Namen, die nicht einfach und eindeutig zu buchstabieren sind. Die Sängerin Liza Minelli musste ein Lied mit dem Titel "Liza mit einem Z" komponieren, damit nicht alle denken, dass sie Lisa heißt.

9. Namen, die nicht abgekürzt werden können

Warum Benedict Cumberbatch heißen, wenn Ben Cumberbatch genauso gut funktioniert?

10. Dass der Name nicht verlängert werden kann

Der Algorithmus übersprang auch Namen, die Spitznamen für längere Namen waren. Hollywood-Schauspieler und Ex-Mann von Angelina Jolie, Billy Bob Thornton, ist mit dieser Regel sicherlich nicht sehr glücklich.

11. Namen, die auf Chinesisch gut klingen

Nicks Partnerin Chloe ist Chinesin, daher war es wichtig, dass der Name ihres Sohnes für chinesische Muttersprachler leicht auszusprechen ist und die Kultur von Vater und Mutter respektiert wird. Das ist fair, wenn man bedenkt, dass asiatische Stars ihren Namen seit Jahren der westlichen Kultur anpassen. 'Mulan'-Star Liu Yifei zum Beispiel arbeitete früher unter dem Namen Crystal Liu.

12. Eindeutig im Bezug auf das Geschlecht

Namen, die  nicht eindeutig in Bezug auf das Geschlecht waren, wurden ebenfalls abgelehnt. Diese Regel ist kompliziert, weil sich die Gesellschaft und die Namen weiter entwickeln. Eine ganze Reihe von Namen, die von englischen Nachnamen abgeleitet sind, wie Taylor, Madison oder Parker, galten vor einigen Jahrzehnten als eindeutig männlich. Heute ist Taylor Swift wohl die berühmteste Trägerin eines einst männlichen Namens.

Wir haben einen Sieger!

Am Ende wählten Nick und Chloe etwa 3.650 Namen aus und filterten diese ausschliesslich nach Kriterien des Geschmacks. Sie testeten sie auch, indem sie unbekannte Leute befragten. Danach  blieben erst 15 Namen übrig, dann vier und schließlich zwei: Hazel für ein Mädchen und Max für einen Jungen. Die (angeblich) perfekten Namen. Max wurde im Juli 2015 geboren.

Aber ... ist der Name des Babys mathematisch?

Wenn wir die Regeln des verwendeten Algorithmus überprüfen, bricht Max dann nicht einige dieser Regeln? Mag schon sein, aber am Ende zählt nur die liebevolle Entscheidung von Mutter und Vater.

Bild: Omar López / Unsplash

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